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Begleitet von stundenlangen Heulkrämpfen, die ich auf meinem Bett liegend zu bekämpfen versuchte. Ich hatte mich verliebt.

Natürlich, wie sollte es auch anders sein, ausgerechnet in einen nicht zu erreichenden Mitschüler. Eigentlich dachte ich immer, es wäre für mich unmöglich, mit einem Mann zusammen zu sein. Ihn zu küssen und richtigen, zärtlichen Sex mit ihm zu haben. Das passte überhaupt nicht in mein Weltbild.

Es gab für mich nur zwei Optionen. Die Sache angehen und mir eingestehen, dass ich schwul bin, oder mir einen Weg zu suchen, um mich selbst aus diesem Universum zu entfernen. Aber wenn ich ehrlich bin, war ich für Selbstmord schon immer zu feige. Meine Mutter und ich waren mittlerweile zurück nach Dortmund gezogen, nach dem ihr Freund eine andere geschwängert hatte. Dafür war ich dankbar.

Denn auf dem Dorf hätte ich mich das nicht getraut. So setzte ich mich vor meinen Computer und begann im Netz zu recherchieren. Wie definiert sich schwul und wie sehen typische Schwule aus? Wie haben die Eltern reagiert und wie kann man andere Jungs kennenlernen? Zu meinem absoluten Erstaunen fand ich fast nur Texte, die beinahe eins zu eins auf mich und meine Situation übertragbar waren.

Gab es doch so viele Leute in meiner Situation? War ich gar nicht so anders und allein? Um ehrlich zu sein hatte ich so meine Probleme, das Wort schwul auf mich anzuwenden.

Aber es ging nicht anders. Arschbacken zusammen, Brust raus und durch! Ich schrieb mit einigen Typen an diesem Abend.

Es war der Ich malte mir in meinen Gedanken natürlich die wildesten Sachen aus. Das war alles so real und greifbar. Ich musste nur zupacken und es geschehen lassen. So verabredeten wir ein Treffen eine Woche später. Er wollte mich seinen Rechner prüfen lassen. Und ich wollte vögeln. Obwohl ich tierisch schüchtern war, musste ich das jetzt durchziehen. Es ging nicht anders. Am nächsten Tag nahm ich mir einen befreundeten Mitschüler zur Seite, von dem ich wusste, dass man mit ihm über alles reden und er Geheimnisse auf jeden Fall bewahren konnte.

Zitternd wie Espenlaub und einer Stimme wie ein Reibeisen, gestand ich ihm, dass ich schwul sei, dass ich mich unglücklich in Mitschüler X verliebt und ebenfalls jemanden kennengelernt hätte. Mit einem breiten Grinsen kam mir dann die Antwort entgehen, dass er sich das mit dem Schwul sein schon gedacht hätte. Später sollte sich herausstellen, dass es viele Menschen gab, denen meine sexuelle Orientierung offenbar schon lange vor mir selbst klar gewesen war.

Eine Woche später traf ich mich Abends mit dem Typen aus dem Chat. Nach zwei Stunden am Rechner, in denen ich zwar tierisch nervös war, meine Erektion aber trotzdem nicht verbergen konnte, taten wir das, weswegen ich gekommen war. Mit allem was dazu gehörte und was für mich so unerreichbar schien. Ich hatte noch nie zuvor irgendjemanden geküsst. Gefickt ja, aber nicht geküsst. Und ich hatte es echt drauf. Alle Angst war fort. Alles was wir da taten fühlte sich so natürlich an.

So echt und so richtig. Ich schämte mich nicht für das, was ich tat, und ich machte mir auch keine weiteren Gedanken darüber. Ich machte es einfach. Zum Schluss fragte er mich, ob wir uns wiedersehen. Wohl wissend in der Annahme, dass ich sowieso nicht wieder kommen würde. Aber da hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Wir haben zu Hause nie viele Geheimnisse voreinander gehabt. Dieses Mal hatte ich ihr allerdings so gut wie nichts gesagt, als ich den Abend losgefahren bin. Ganz vermeiden konnte ich es aber nicht. Also sagte ich ihr am nächsten Tag die Wahrheit. Wo ich war und vor allem mit wem.

Daraufhin klappte sie mir im stehen zusammen und brauchte eine Weile, um sich wieder davon zu erholen. Wenn man als Einzelkind klarstellt, dass man seiner Mutter keine Enkel schenken wird, dann ist das mit Sicherheit ein ziemlicher Schlag.

Es sollte aber alles gut werden. Und so ging es bei mir stetig voran. Ich traf mich jedes Wochenende mit dem Mann aus der besagten Nacht. Ich outete mich bei immer mehr Leuten in der Schule und wurde sehr freundlich damit aufgenommen. Ich war plötzlich ein ganz anderer Mensch. Ich entwickelte einen Sinn für mein Aussehen und entdeckte den Reiz, den ich offenbar auf schwule Männer ausübte. Ich war endlich authentisch und erlangte sogar Selbstbewusstsein. Ich fand neue Interessen und Talente in mir und wurde plötzlich erwachsen.

Da war so vieles, was ich bislang nicht von mir wusste; was ich nicht in mir gesehen hatte. Alles verborgen hinter dieser einen Schranke. Von da an entwickelte sich mein Leben rasant. Als ich entdeckte, dass meine alten Freunde nicht gut für mich waren, schoss ich sie ab. Sie lebten davon, sich durch mein geringes Selbstbewusstsein über mich stellen zu können. Und sie wurden irgendwie nicht erwachsen.

Ich hingegen machte riesige Schritte vorwärts. Obwohl ich zum Halbjahreswechsel wegen schlechter Noten von der Schule flog, hatte ich mein Ziel klar vor Augen: Ich wollte eine Ausbildung zum Fachinformatiker der Anwendungsentwicklung machen, obwohl mir alle Lehrer und das Arbeitsamt davon abrieten.

Zuerst wurde ich zum Zivildienst eingezogen. Auf Grund meiner Verbindungen zur Psychiatrie konnte ich mir eine Stelle aussuchen. Ich nahm einen echt tolle Job in der Arbeitstherapie an. Dort gab es super Kollegen und zwei echt tolle Mitzivis. Die beiden wussten von meinem Schwul sein und ich war zum ersten Mal so richtig integriert. Ich konnte meine frisch entdeckten Fähigkeiten selbstbewusst einsetzen und hatte damit Erfolg.

Ich machte meine Arbeit sehr gut und war daher bei den Arbeitskollegen sehr beliebt und bekam schon bald Verantwortung übertragen.

Danach begann ich meine Ausbildung zum Fachinformatiker. Meine schlechten Noten kümmerten den Chef nicht. Der suchte nämlich einfach nur billige Arbeitskräfte mit einer hohen Bandbreite an Fähigkeiten.

Nach einem Jahr war dort zum Sommer Schluss für mich. Auch eine ganz neue Seite an mir. Von der 43 Stunden Woche, der miesen Bezahlung und der unangemessenen Behandlung, hatte ich die Schnauze voll. Geoutet habe ich mich in dieser Firma nur vor einer Person. Innerhalb der Sommerferien fand ich dann einen neuen Arbeitgeber und begann mein zweites Ausbildungsjahr. Von der Suche bis zum Vertrag waren keine vier Wochen vergangen. Ich sagte ja bereits: Im Endeffekt war diese Firma aber auch nicht viel besser als die alte.

Nur, dass man einem hier mit einem Lächeln sagte, dass man der Firma gehöre. Ein Jahr nach dem Ende meiner Ausbildung, die ich übrigens mit sehr guten Noten abgeschlossen habe, bekam ich meine eigene kleine Abteilung und die entsprechende Projektleitung. Für die sieben Leute unter mir war ich der, der immer alles wusste. Den sie alles Fragen konnten und der sich immer vor sie stellte, wenn es Ärger gab.

Für die über mir, war ich nur der, der sich weigerte, den von oben verordneten Müll unprofessionell umzusetzen und bei allem mitreden wollte. Sie kamen aber nicht an mir vorbei. Meine Leute machten das, was ich sagte und ohne meine Fähigkeiten wäre es schwer gewesen, den Projektdurchsatz beizubehalten. Nach meiner Weigerung an einer Weihnachtsfeier teilzunehmen und einem Krankenschein wegen Burnout, war dann Anfang für mich dort Schluss.

Ich wollte in keine Firma mehr. Ich wollte endlich selbstbestimmt arbeiten. Das klappte leider nicht. Als dann das Arbeitsamt mein Profil ins Netz stellte, konnte ich mich vor Einladungen zu Vorstellungsgesprächen kaum retten.

Ein Headhunter vom Arbeitsamt machte mir dann eine Stelle derart Schmackhaft, dass ich gar nicht nein sagen konnte. Eine Woche und ein lockeres Bewerbungsgespräch unter Nerds später und ich bekam einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Senior Developer.

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Ich hatte mittlerweile zwei beste Freunde und einen Freundeskreis. Ja, es waren tatsächlich männliche beste Freunde und wir waren zusammen ein echt cooles Team. Eben so, wie man mit 16 oder 17 halt ist. Und immer wieder diese Themen.

Frauen, Frauen, Frauen und das erste Mal. Ich log mir alles so zurecht, dass es schon irgendwie passte. Mein fehlendes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein machte meine Lügen auch durchaus glaubhaft.

Und dass ich bereits so ziemlich alle Praktiken durch hatte schon erst recht nicht. Weitere Zeit verging und ich wiederholte die elfte Klasse der Schule wegen meiner weiterhin schlechten Noten. Ich hatte offenbar ein paar negative Eigenschaften von meinem Vater geerbt.

Dabei ignorierte ich alles um mich herum. Zumindest so lange, bis ich wieder geil wurde. Ich glaubte fest daran, dass ich nur hart genug versuchen müsste, es mal mit einem Mädchen zu machen.

Allerdings fanden mich Mädchen irgendwie immer furchtbar unattraktiv. Zumindest hat sich nie eine an mich heran getraut. Eines Tages, ich war 18 und in der zwölften Klasse, bot sich eine Chance mir zu beweisen, dass ich auf Frauen stehe. Die Freundin eines meiner besten Freunde hatte mir auf einem Feuerwehrfest ein verdammt hübsches Mädchen klar gemacht. Es muss sie einiges an Überwindung gekostet haben, denn sie konnte dieses Mädel eigentlich auf den Tod nicht Ausstehen.

An dem Abend ist allerdings nichts gelaufen. Einige Tage später kam dann der Moment der Wahrheit. Auf der Treppe vor der Haustür wusste ich dann, was jetzt von mir erwartet wurde. Sie wollte mit ziemlicher Sicherheit auf der Stelle von mir flachgelegt werden. Ich war höllisch nervös und zitterte am ganzen Körper, als hätte man mich gerade an eine Steckdose angeschlossen. Obendrein drehte sich mir der Magen um.

Ich konnte das einfach nicht. Einen Kuss hätte ich vielleicht gerade noch hinbekommen. Bei dem Gedanken wurde mir noch schlechter, als es mir ohnehin schon war.

Sie war definitiv geknickt an diesem Tag und hat nie wieder etwas von mir gehört. So heftig diese Begegnung für mich auch war. Der Effekt auf mich verpuffte. Erst Monate später wurde mir die wahre Lage meiner Situation bewusst. Ich war 19 und stand Kurz davor, wegen schlechter Noten nicht zum Abi zugelassen zu werden. Deprimierender als meine Noten war zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich nur mein Musikgeschmack.

Begleitet von stundenlangen Heulkrämpfen, die ich auf meinem Bett liegend zu bekämpfen versuchte. Ich hatte mich verliebt. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, ausgerechnet in einen nicht zu erreichenden Mitschüler. Eigentlich dachte ich immer, es wäre für mich unmöglich, mit einem Mann zusammen zu sein. Ihn zu küssen und richtigen, zärtlichen Sex mit ihm zu haben.

Das passte überhaupt nicht in mein Weltbild. Es gab für mich nur zwei Optionen. Die Sache angehen und mir eingestehen, dass ich schwul bin, oder mir einen Weg zu suchen, um mich selbst aus diesem Universum zu entfernen. Aber wenn ich ehrlich bin, war ich für Selbstmord schon immer zu feige.

Meine Mutter und ich waren mittlerweile zurück nach Dortmund gezogen, nach dem ihr Freund eine andere geschwängert hatte. Dafür war ich dankbar. Denn auf dem Dorf hätte ich mich das nicht getraut. So setzte ich mich vor meinen Computer und begann im Netz zu recherchieren. Wie definiert sich schwul und wie sehen typische Schwule aus? Wie haben die Eltern reagiert und wie kann man andere Jungs kennenlernen?

Zu meinem absoluten Erstaunen fand ich fast nur Texte, die beinahe eins zu eins auf mich und meine Situation übertragbar waren.

Gab es doch so viele Leute in meiner Situation? War ich gar nicht so anders und allein? Um ehrlich zu sein hatte ich so meine Probleme, das Wort schwul auf mich anzuwenden. Aber es ging nicht anders. Arschbacken zusammen, Brust raus und durch! Ich schrieb mit einigen Typen an diesem Abend. Es war der Ich malte mir in meinen Gedanken natürlich die wildesten Sachen aus. Das war alles so real und greifbar.

Ich musste nur zupacken und es geschehen lassen. So verabredeten wir ein Treffen eine Woche später. Er wollte mich seinen Rechner prüfen lassen. Und ich wollte vögeln. Obwohl ich tierisch schüchtern war, musste ich das jetzt durchziehen. Es ging nicht anders. Am nächsten Tag nahm ich mir einen befreundeten Mitschüler zur Seite, von dem ich wusste, dass man mit ihm über alles reden und er Geheimnisse auf jeden Fall bewahren konnte.

Zitternd wie Espenlaub und einer Stimme wie ein Reibeisen, gestand ich ihm, dass ich schwul sei, dass ich mich unglücklich in Mitschüler X verliebt und ebenfalls jemanden kennengelernt hätte. Mit einem breiten Grinsen kam mir dann die Antwort entgehen, dass er sich das mit dem Schwul sein schon gedacht hätte. Später sollte sich herausstellen, dass es viele Menschen gab, denen meine sexuelle Orientierung offenbar schon lange vor mir selbst klar gewesen war.

Eine Woche später traf ich mich Abends mit dem Typen aus dem Chat. Nach zwei Stunden am Rechner, in denen ich zwar tierisch nervös war, meine Erektion aber trotzdem nicht verbergen konnte, taten wir das, weswegen ich gekommen war.

Mit allem was dazu gehörte und was für mich so unerreichbar schien. Ich hatte noch nie zuvor irgendjemanden geküsst. Gefickt ja, aber nicht geküsst. Und ich hatte es echt drauf. Alle Angst war fort. Alles was wir da taten fühlte sich so natürlich an. So echt und so richtig. Ich schämte mich nicht für das, was ich tat, und ich machte mir auch keine weiteren Gedanken darüber. Ich machte es einfach. Zum Schluss fragte er mich, ob wir uns wiedersehen.

Wohl wissend in der Annahme, dass ich sowieso nicht wieder kommen würde. Aber da hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wir haben zu Hause nie viele Geheimnisse voreinander gehabt. Dieses Mal hatte ich ihr allerdings so gut wie nichts gesagt, als ich den Abend losgefahren bin. Ganz vermeiden konnte ich es aber nicht. Also sagte ich ihr am nächsten Tag die Wahrheit. Wo ich war und vor allem mit wem.

Daraufhin klappte sie mir im stehen zusammen und brauchte eine Weile, um sich wieder davon zu erholen. Wenn man als Einzelkind klarstellt, dass man seiner Mutter keine Enkel schenken wird, dann ist das mit Sicherheit ein ziemlicher Schlag.

Es sollte aber alles gut werden. Und so ging es bei mir stetig voran. Ich traf mich jedes Wochenende mit dem Mann aus der besagten Nacht. Ich outete mich bei immer mehr Leuten in der Schule und wurde sehr freundlich damit aufgenommen. Ich war plötzlich ein ganz anderer Mensch.

Ich entwickelte einen Sinn für mein Aussehen und entdeckte den Reiz, den ich offenbar auf schwule Männer ausübte. Ich war endlich authentisch und erlangte sogar Selbstbewusstsein. Ich fand neue Interessen und Talente in mir und wurde plötzlich erwachsen.

Da war so vieles, was ich bislang nicht von mir wusste; was ich nicht in mir gesehen hatte. Alles verborgen hinter dieser einen Schranke. Von da an entwickelte sich mein Leben rasant. Als ich entdeckte, dass meine alten Freunde nicht gut für mich waren, schoss ich sie ab.

Sie lebten davon, sich durch mein geringes Selbstbewusstsein über mich stellen zu können. Und sie wurden irgendwie nicht erwachsen. Ich hingegen machte riesige Schritte vorwärts.

Obwohl ich zum Halbjahreswechsel wegen schlechter Noten von der Schule flog, hatte ich mein Ziel klar vor Augen:


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Ich traf mich jedes Wochenende mit dem Mann aus der besagten Nacht. Ich outete mich bei immer mehr Leuten in der Schule und wurde sehr freundlich damit aufgenommen. Ich war plötzlich ein ganz anderer Mensch. Ich entwickelte einen Sinn für mein Aussehen und entdeckte den Reiz, den ich offenbar auf schwule Männer ausübte. Ich war endlich authentisch und erlangte sogar Selbstbewusstsein. Ich fand neue Interessen und Talente in mir und wurde plötzlich erwachsen.

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